„Talente entdecken“: Berufsorientierung an Schulen

„Ziel ist es, bewusst zu erfahren, was einem gut liegt und was eben nicht.“

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Was sind meine Stärken? Wo liegen meine Interessen und wie kann ich meine Talente sinnvoll einsetzen? Antworten auf diese Fragen zu finden, ist das zentrale Ziel der Berufsorientierung. Wie es möglich ist, SchülerInnen dabei zu unterstützen, sich und ihre Fähigkeiten besser kennenzulernen, zeigt das Projekt „Talente entdecken“, das an über 90 Schulen in NRW, schwerpunktmäßig im Ruhrgebiet, umgesetzt wird.

Was genau hinter der Berufsorientierung steckt und wie man Talente frühzeitig erkennt, erklärt Dr. Britta L. Schröder, Geschäftsführerin der Stiftung TalentMetropole Ruhr im Interview.

Frau Dr. Schröder, wie entdeckt man Talente?

Jeder Mensch hat Talente. Sie müssen nur erkannt und auch eingesetzt werden. Durch vielfältige und spielerische Übungen sensibilisieren wir SchülerInnen der 7. Klasse mit dem Projekt „Talente entdecken“ frühzeitig für praktische, berufliche Tätigkeiten.

Wir stellen in unseren Übungen eine Verbindung zur Berufswelt dar und zeigen auf, welche Talente in welchem Beruf von besonderer Bedeutung sind. Es ist spannend zu erleben, wie die SchülerInnen über sich hinauswachsen, nicht aufgeben oder erkennen, dass ihnen etwas nicht so leichtfällt. Ziel ist es, bewusst zu erfahren, was einem gut liegt und was eben nicht. Das wissen nämlich viele nicht.

Für SchülerInnen der Klassen 9 und 10 gehen wir noch einen Schritt weiter und vernetzen sie direkt mit potenziellen ArbeitgeberInnen. Die Jugendlichen lernen die verschiedene Berufsfelder durch geführte Übungen von Azubis und UnternehmensvertreterInnen kennen, probieren also ihre Talente aus, und knüpfen gleichzeitig Kontakte in die Berufswelt.

Welche Berufsfelder lernen die SchülerInnen denn kennen?

Es geht um insgesamt 16 Berufsfelder: Von der Gastronomie bis hin zum Elektrogewerbe. Bei einer Übung geht es z.B. darum, mehrere Teller zu tragen, einen Gegenstand darauf zu balancieren und dabei gerade und aufrecht zu laufen – so wird die Fähigkeit eines Kellners/einer Kellnerin getestet. An einer anderen Station lernen die SchülerInnen wie man einen verletzten Arm verbindet, Blutdruck misst oder den Puls fühlt. Zeigen sie hier Talent, sind interessiert an Körper- und Knochenaufbau und sind emphatisch, dann könnte später Gesundheits-,Kranken- oder AltenpflegerIn ein passender Job werden. Aber auch talentierte Fachkräfte für Lagerlogistik, Floristik oder Elektronik werden durch unsere Übungen entdeckt. Den TeilnehmerInnen wird oft erst im Training bewusst, wie gut sie in diesem Bereich sind und wie sie ihre Talente einsetzen können.

Das Projekt „Talente entdecken“ ist Teil der Veranstaltungsreihe TalentTage Ruhr. Wie hängt das zusammen?

In den TalentTagen Ruhr bündeln wir jedes Jahr mit mehr als 160 PartnerInnen vielfältige Veranstaltungen zur Talentförderung in über 35 Städten im Ruhrgebiet. Damit gelingt es uns, bis zu 40.000 TeilnehmerInnen den Zugang zu herausragenden Bildungsangeboten zu eröffnen – völlig kostenlos. Der Kernzeitraum ist der 22.09. - 02.10.2021. Darüber hinaus bieten wir aber auch ganzjährig Angebote an, die Kinder und Jugendliche unterstützen, ihre Stärken zu entdecken. Das gelingt uns mit dem Projekt „Talente entdecken“ im großen Maße. Bis Ende 2021 läuft das Projekt an über 90 Schulen und erreicht ca. 10.000 SchülerInnen in NRW.

Wer führt das Projekt durch und wie wird es finanziert?

Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren mit dem Technikzentrum Minden-Lübbecke e.V. zusammen, die die einzelnen Übungen konzipiert haben und mit einem Team an den Schulen durchführen. Gefördert wird die Berufsorientierung durch die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, SCHULEWIRTSCHAFT NRW sowie regionale UnterstützerInnen. Hauptförderer der TalentTage Ruhr ist seit 2017 die RAG-Stiftung.


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