MINT und Künstliche Intelligenz im Blick
In dieser Rubrik berichten wir über spannende Veranstaltungen der TalentTage Ruhr 2025, bei denen Schüler:innen Technik, Naturwissenschaften und Künstliche Intelligenz praktisch erleben. Ob beim Programmieren und Trainieren von Robotern, beim Entdecken widerstandsfähiger Pflanzen im Ruhrgebiet, beim Bau eigener Solarautos oder beim Erstellen von Videos mit KI – die jungen Talente können hier direkt ausprobieren, experimentieren und eigene Ideen umsetzen. So wird deutlich, wie vielseitig MINT-Themen sind und wie sie unseren Alltag und die Arbeitswelt von morgen beeinflussen.
Soziale Roboter erleben und gestalten!
Soziale Roboter erobern unseren Alltag – die Vision aus Filmen wird immer mehr zur Realität. Doch was wissen wir eigentlich über das Zusammenleben von Mensch und Roboter? Wie gelingt eine gute Gestaltung, und worauf müssen wir achten? Mit diesen Fragen setzten sich Schüler:innen der Theodor-König-Gesamtschule aus Duisburg im Rahmen der TalentTage Ruhr auseinander.
In einer Veranstaltung der zdi-Zentren Oberhausen/Bottrop und der Hochschule Ruhr West tauchten sie in die Welt von RuhrBots ein, wo Forschende den Einsatz von Robotern in Büchereien, Museen, im Bürgerservice oder in Hotels und Gastronomien untersuchen. „Soziale Roboter interagieren mit uns – verbal oder nonverbal – und vertreten unsere Normen und Werte“, erklärt Lara Timm vom RuhrBotsLabor.
An vier verschiedenen Stationen konnten sie sich ausprobieren, eine Schnitzeljagd im VR-Museum machen oder kreative Ideen für den Einsatz sozialer Roboter entwickeln: Wen kann der Roboter besonders gut unterstützen und wie? Welche Eigenschaften und Funktionen benötigt er dafür und was sollte er auf keinen Fall tun? Einigkeit herrschte darüber, dass ein Roboter niemanden verletzen oder beleidigen darf und möglichst fehlerfrei funktionieren sollte.
Für den 18-jährigen Emad war außerdem wichtig, dass der Roboter nicht zu menschlich aussieht, da dies beängstigend wirken könnte. „Die Veranstaltung passt genau zu meinen Interessen. Früher habe ich mich sehr für Informatik interessiert, und jetzt kann ich mir vorstellen, im Bereich Medizintechnik zu arbeiten. Heute durfte ich verschiedene soziale Roboter kennenlernen und unter anderem den Roboter ‚Nao‘ programmieren“, berichtet er.
Auch seine Lehrerin Cordula Hiller-Kitzmann zeigte sich begeistert: „Ich habe die Veranstaltung gewählt, weil sie praxisbezogen ist und ich etwas im Bereich Robotik machen wollte – das ist schließlich die Zukunft meiner Schüler:innen. Die Veranstaltung kommt total gut an: Meine Schüler:innen sind beschäftigt, konzentriert und haben viel Spaß!“
Wie wir morgen arbeiten und wie KI als Berufsberater:in genutzt werden kann
Die Zukunft der Arbeit wirft viele Fragen auf: Welche Berufe wird es in zehn oder 15 Jahren noch geben – und welche entstehen neu? Genau darüber diskutierten 23 Schüler:innen der Helmut-Rahn-Realschule in einer Veranstaltung der Joblinge. Im basecamp in Essen tauchten sie in die Welt der Künstlichen Intelligenz ein.
Sie lernten auf verständliche Weise, was KI ist, wo sie eingesetzt wird und wie sie unsere Zukunft mitgestalten könnte – befragt wurde hierfür auch die KI selbst, die als Berufsberater:in zu Rate gezogen wurde. Peyton wollte wissen, ob es sich auch 2030 noch lohnt, den Beruf der Krankenpflegekraft zu erlernen, wenn KI immer weiter fortschreitet. Das Fazit der KI: Ja, es lohnt sich – das Berufsbild wird sich jedoch verändern. KI wird körperliche Tätigkeiten und Analysen übernehmen, aber nicht die Beratung, das freundliche Wort oder Empathie ersetzen können.
„Es ist schon jetzt wichtig, dass ihr eure technischen Kompetenzen ausbaut, um auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet zu sein“, fasst Eva Schlömer von den Joblingen zusammen.
Lehrerin Lisa Herzog nutzt die TalentTage Ruhr gerne, um ihre Schüler:innen auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten: „Die Veranstaltungen der TalentTage Ruhr sind gerade für unsere Schüler:innen so wichtig, damit sie die Arbeitswelt kennenlernen und verstehen, wie Arbeit funktioniert.“
Schüler:innen entdecken die Natur im Ruhrgebiet neu
Trockene, steinige Flächen sind für viele Pflanzen ein lebensfeindlicher Ort – und doch gibt es Arten, die genau hier gedeihen. Wie sie das schaffen, erforschten 13 Schüler:innen der Gesamtschule Weierheide aus Oberhausen in der Veranstaltung „Industrienatur erforschen und entdecken“ des Lern- und Erlebnislabors Industrienatur (LELINA).
Nach einer kurzen Einführung ging es für die Gruppe hinaus ins Gelände der Halde Eickwinkel in Essen. Dort entdeckten die Jugendlichen Pflanzen wie Nachtkerze, Schmetterlingsflieder, Natternkopf und Königskerze und erfuhren, welche erstaunlichen Strategien diese Arten entwickelt haben, um auf kargen Industrienaturflächen zu überleben. „Man kann überall etwas entdecken und auch bekannte Orte ganz neu verstehen“, berichtet Ebru (17) begeistert.
Besonders spannend fanden viele, dass Härchen an den Stängeln vor Sonneneinstrahlung schützen oder tiefe Pfahlwurzeln Pflanzen selbst bei Trockenheit mit Wasser versorgen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Pflanzen so widerstandsfähig sind“, sagt Finley (17) beeindruckt. Yasemin (17) fasst den Tag zusammen: „Das Highlight war, dass wir selbst die Pflanzen bestimmen konnten. Es ist etwas anderes, das nicht nur im Unterricht zu hören, sondern wirklich draußen zu erleben.“
Auch die Anbieter zogen eine positive Bilanz. Nadine Jöllenbeck betont: „Wenn die Schüler:innen aus dem Klassenzimmer hinauskommen und direkt in der Natur vor Ort sind, wird sofort der Forschergeist geweckt.“ Jan Hohmann ergänzt: „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, wie vielfältig das Ruhrgebiet ist, und sie dazu ermutigen, ihr Lebensumfeld aktiv zu gestalten.“
So wird deutlich: Industrienatur ist nicht nur ein Stück Vergangenheit, sondern ein lebendiger Raum, in dem Schüler:innen viel entdecken und sich über Pflanzen und Landschaft auch ein Stück ihrer eigenen Region erschließen können.
Mit KI: Von der Idee zum Video
In einem Workshop von BitBiberTech Talente e.V. haben 18 Schüler:innen der Gesamtschule Bochum-Mitte gelernt, wie man mithilfe von Künstlicher Intelligenz eigene Videos produziert. Zunächst erhielten sie eine Einführung in die Grundlagen: Sie lernten, wie KI funktioniert, von ihren Ursprüngen bis zu den heutigen Möglichkeiten, und wie sich mit gut formulierten Prompts bessere Ergebnisse erzielen lassen. Ein Tipp von Workshopleiter José Monserrat Flores: „Wenn etwas mal nicht ganz funktioniert, kann man versuchen, den Prompt auf Englisch einzugeben – so verstehen die Systeme Anweisungen oft genauer.“
Anschließend gingen die Jugendlichen auf den Schulhof, um eigene Bildideen zu sammeln. Mit einem kostenlosen Tool wurden die Fotos animiert und anschließend zu einem Video zusammengesetzt, sodass aus einzelnen Ideen ein fertiges Ergebnis entstand. Lehrerin Sonja Leikam überlegt bereits, in welchen Unterrichtsfächern sich diese Methode für die Erstellung von Tutorials einsetzen lässt. Sie ist begeistert von den TalentTagen Ruhr und ihrer Vielfalt: „Ich nehme dieses Jahr das erste Mal mit meinen Schüler:innen teil und bin durch meine Kolleg:innen darauf aufmerksam geworden. Dieses Jahr habe ich mir direkt spannende Veranstaltungen gesichert, als das Programm online ging. Und ich habe noch viele weitere gesehen, die ich interessant finde.“
Von der Sonne angetrieben: Liselotte-Rauner-Schule baut Mini-Solar-Autos
Für die Hauptschulklasse 8a der Liselotte-Rauner-Schule in Bochum war der Mittwochvormittag alles andere als gewöhnlich: Statt Mathe und Deutsch standen Solarenergie und Technik auf dem Stundenplan. Mit Unterstützung des Talentmobils der Hochschule Bochum bauten die Jugendlichen eigene Solarautos, testeten sie direkt vor Ort und erfuhren, wie Sonnenlicht in Antriebskraft verwandelt werden kann.
Die handwerkliche Arbeit kam bei den Schüler:innen gut an, viele hatten Spaß daran, die Bauteile zusammenzusetzen und die Autos zum Laufen zu bringen. Louisa Waasmann, eine der Workshop-Leiterinnen, zog ein positives Fazit: „Die Schüler:innen haben gut mitgemacht und Interesse gezeigt. Durch die TalentTage Ruhr bekommt man eine schöne Möglichkeit, andere Schulen kennenzulernen und die Schüler:innen für Technik zu begeistern.“ Ihr Kollege Fadi Hassoun ergänzte: „Die Schüler:innen bekommen erste Berührungen mit Solar und lernen feinmotorisch zu arbeiten. Das kann prägend sein.“
Am Ende sausten die kleinen Solarautos durch den Klassenraum und lieferten sich spannende Rennen – ein gelungener Abschluss.
KI zum Anfassen: Schüler:innen der Hasselbrinkschule entdecken Künstliche Intelligenz
Wie Maschinen lernen und warum sich Künstliche Intelligenz von herkömmlichen Programmen unterscheidet, erfuhren die 13- bis 15-jährigen Schüler:innen der 8. Klasse der Hasselbrinkschule in Bochum.
Beim Workshop „KI – was ist das?“ von Coding For Tomorrow begrüßte Referentin Melda Marangoz die Jugendlichen und führte sie in die Welt der Künstlichen Intelligenz ein. Zunächst erklärte sie, was KI bedeutet und wo sie uns im Alltag begegnet. Anhand zahlreicher Beispiele wurde deutlich, wie Maschinen lernen.
Dann wurde es praktisch: Die Schüler:innen zeichneten an ihren eigenen Tablets Bilder, die von einer KI ausgewertet wurden, und testeten selbst das Programm „Machine Learning for Kids“. „Selbst eine KI zu trainieren, war am besten“, erzählt die 14-jährige Marijam. Dabei durfte sie der KI Informationen „füttern“ und ihr so das Lernen ermöglichen. Auch Marta (14) war beeindruckt: „Die KI lernt schnell.“
Lehrerin Tanja Pawlowski freut sich über das Engagement ihrer Schüler:innen: „Das Thema KI interessiert alle, besonders bei den eher schwächeren Schüler:innen war das Verständnis und Interesse groß.“
Für einige war es sogar der erste Kontakt mit Künstlicher Intelligenz. Vorbehalte wie „Die KI wird mal die Welt übernehmen“ oder „KI ist gruselig“ konnten im Workshop direkt abgebaut werden – genau dafür ist das Format gedacht: Hemmschwellen abbauen und Lust auf Technik wecken.