"Digitale Bildung für alle!"

Wir haben uns mit Vera Straetmanns von brickobotik getroffen und gefragt, wie das Dortmunder Unternehmen diese Mission umsetzen will.

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Das ist die Mission vom Dortmunder Unternehmen brickobotik. Wir haben uns mit Vera Straetmanns, Workshop-Trainerin bei brickobotik, zum digitalen Gespräch verabredet und sie erzählt im Interview, welche Projekte wir gemeinsam umsetzen, warum Frauen in der IT-Branche unterrepräsentiert sind, was sie dagegen tun und welche Rolle digitale Bildung in unserem Schulsystem spielt.

Euer Slogan lautet: „Digitale Bildung für alle!“ – Wie stemmt man so eine Mammut-Aufgabe?

Wir sehen unseren Slogan als unsere Mission. Natürlich glauben wir nicht, dass wir diese Aufgabe alleine stemmen können. Aber der Slogan gibt uns die Richtung vor und dient uns als Ankerpunkt, an dem wir unsere Aktivitäten und unsere Planungen immer wieder ausrichten.

Ganz konkret versuchen wir unserer Mission gerecht zu werden, indem wir möglichst viele Menschen in Workshops, Fort- und Weiterbildungen an digitale Bildung heranführen: SchülerInnen, Lehrkräfte, Auszubildende und interessierte Laien bekommen durch uns einen Einblick in digitale Themen wie Robotik, Mikrocontroller-Programmierung, Drohnen oder 3D-Druck.

In Workshops und Kursen bietet ihr Wissen über Robotik, Mikrocontroller, Drohnen und 3D-Druck an Schulen an - wie kommt das Angebot an?

In unseren Kursen bekommen wir von den Teilnehmenden durchweg positive Rückmeldungen. Unsere TrainerInnen sind selbst von den digitalen Technologien begeistert und haben Spaß an ihrer Arbeit und ich glaube, das überträgt sich im Kurs auf die Teilnehmenden. Momentan ist unsere Auftragslage natürlich leider etwas dünn, weil Schulen gerade erst einmal den Fokus darauf legen, ihren eigenen Unterricht zu organisieren und Lerndefizite bei den SchülerInnen aufzuarbeiten. Aber durch Angebote wie die Ferienschule bekommen wir die Möglichkeit, Kindern bei der Aufarbeitung von Lernstoff zu helfen und daneben auch die Beschäftigung mit Robotik einzubauen.

Wieso ist es so wichtig, digitale Kompetenzen frühzeitig zu fördern?

Unsere Welt verändert sich – und zwar ziemlich schnell. Digitale Technologien sind schon jetzt ein fester Bestandteil der Arbeits- und Alltagswelt und dieser Trend geht weiter bzw. wird sich in Zukunft eher noch verstärken. Um Kinder gut auf diese Lebenswelt vorzubereiten, ist die Förderung digitaler Kompetenzen enorm wichtig. Wer von klein auf mit digitalen Technologien in Berührung kommt, muss lernen, wie man sicher und verantwortungsvoll damit umgeht.

Was wünscht ihr euch beim Thema digitale Bildung in unserem Schulsystem?

Da kann ich wieder auf unseren Slogan verweisen: Wir wünschen uns digitale Bildung für alle! Oder zumindest, dass dieser Leitsatz auch in der Bildungspolitik verfolgt wird und als Ziel die zukünftigen Entwicklungen mitbestimmt. Wir wünschen uns, dass digitale Bildung einen festen Platz auf dem Lehrplan einnimmt, sodass alle SchülerInnen zumindest Grundkompetenzen entwickeln können. Gleichzeitig sollten besonders interessierte SchülerInnen gezielt über AG-Angebote gefördert werden, denn wir brauchen IT-Fachkräfte in der Arbeitswelt. Ansatzpunkt für das alles ist die Lehrkräftebildung. Deshalb wünschen wir uns für die Lehrkräfte mehr Freiraum, Zeit und Ressourcen, um Weiterbildungen im Bereich der digitalen Bildung zu absolvieren und außerdem eine stärkere Verankerung der digitalen Bildung im Lehramtsstudium.

Gemeinsam nehmen wir dieses Jahr am Girls‘Day teil, bei dem Mädchen und junge Frauen Berufe kennenlernen können, in denen sie bislang unterrepräsentiert sind: Warum trifft das auf die IT-Branche zu?

Ich persönlich glaube nicht daran, dass es so etwas wie angeborene Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gibt, was die Interessen und Berufswünsche angeht. Das hat alles mit Erziehung und den Einflüssen zu tun, denen die Kinder ausgesetzt sind. Mädchen kommen auch heute noch einfach weniger mit Informatik-Themen in Berührung als Jungen und haben mit Vorurteilen und Klischees zu kämpfen. Gerade beim Einstieg in die Berufsausbildung entscheiden sich viele Mädchen gegen eine Laufbahn in der Informatik oder anderen MINT-Bereichen, obwohl sie während der Schulzeit daran interessiert waren. Hier fehlt es meiner Meinung nach z.B. an weiblichen Vorbildern aus der Wissenschaft und der Wirtschaft. Und die real existierende Ungleichheit im Beruf was Gehalt und Einstiegschancen angeht, stellt natürlich auch ein großes Problem dar!

Wie begeistert ihr weibliche Fachkräfte für IT?

Zuerst einmal versuchen wir selbst ein Beispiel zu sein. Über die Hälfte unserer TrainerInnen ist weiblich – das macht natürlich bei den Mädchen im Workshop einen guten Eindruck und baut Hemmungen ab, wenn sie von einer Frau betreut werden. Außerdem versuchen wir in unseren Workshops immer deutlich zu machen, dass Informatik in vielen Berufen steckt und man sich andersherum als IT-Fachkraft mit vielen verschiedenen Themen beschäftigen kann.

Was plant ihr im Rahmen der TalentTage Ruhr in diesem Jahr neben dem Girls’Day?

Unsere Pläne für die TalentTage Ruhr Ende September sind noch nicht ganz fertig. Es wird aber ziemlich sicher Angebote in den Bereichen Drohnen, 3D-Druck und Minecraft geben. Sobald die Termine und Durchführungsorte feststehen, werden wir euch auf unserem Blog und natürlich über das Programm der TalentTage Ruhr 2021 informieren.


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